markus in japan

Dienstag, Juli 25, 2006

Semesterende

Mein erstes Semester in Japan ist zu Ende! Zeit, um nochmal etwas zurückzublicken, was so alles geschehen ist:

  • 日本語 - Japanisch: täglich 2 x 90 min zeigen schön langsam Erfolg. Bin jetzt so auf dem Level von "JLPT 3" (Japanese Language Proficiency Test). Erste Konversationen sind somit möglich und ich versteh auch schon jede Menge. Nächster Schritt: Flirten auf Japanisch :-)


  • Japan Area & Intercultural Studies: Unter diesen Punkt fallen die Vorlesungen "Japanese Politics", "Modern Japan & it's Post-WWII International Relations", "Introduction to International Development", "Communication & Human Relations in Cross-cultural Contexts", "Intercultural Education & Training Methods" und "Contemporary Japanese Society" - waren allesamt sehr interessant und auch sehr wichtig, wenn man nicht nur mal kurz Urlaub in Japan machen will.


  • Courses in the Student's Major: Ja, in meinem Hauptfach gab's ja leider keine Vorlesungen in Englisch. Genauer gesagt, in der ganzen (Graduate) School of Science gab's keine. Hatte mich am Anfang des Semesters schon etwas enttäuscht und ist auch nach wie vor etwas unverständlich für mich: Gerade in den Naturwissenschaften wird vieles in Englisch veröffentlicht und auch die Wissenschaftler hier in Nagoya veröffentlichen in Zeitschriften wie "Nature" oder "Science".

    Ich hab dann letztlich zwei Vorlesungen in der "School of Engineering" gewählt: "Introduction to Applied Physics, Material & Energy Engineering" und "Introduction to Production Engineering". Für beide Vorlesungen wurden immer Gastprofessoren oder Leute von Firmen eingeladen, die dann, meist nur für eine handvoll Austauschstudenten, die Vorlesungen hielten. Im Rahmen der ersten Vorlesung gings auch einmal zu einem Forschungslabor, das teilweise zu Toyota gehört und zu einer Fusions-Energy-Forschungseinrichtung: Dort wird (Vorsicht, jetzt wird's etwas technischer) eine Weiterentwicklung des "Tokamak"-Prinzips getestet und nennt sich "Stellarator". Die ganze Anlage wird alleine von Japan finanziert (mehrere Milliarden Euro!!!) und es wurde dafür extra einer dieser schönen bewaldeten Hügel gerodet und etwas abgetragen, damit das ganze Platz hat. Auf lange Sicht sind Experiment mit Deuterium geplant, sind aber bisher nicht genehmigt.







    Die Vorlesung zum Production Engineering behandelte die Produktionssysteme von Sumitomo (machen Fahrwerke für Flugzeuge, auch für den A-380), Toyota (oh ja, Toyota ist toll - machten auch eine Fabriktour und sie haben uns das "Headquarters" gezeigt: Die haben dort einen der Roboter, die die EXPO letzten Jahres eröffnetten - ja, die haben extra ein paar Roboter entwickelt, die Trompete spielen können, also richtig, nicht nur mit eingebauten Lautsprechern) und Denso, dem größten Automobilzulieferer weltweit. Eigentlich alles sehr interessant, aber doch etwas langweilig, was an den Dozenten lag. Somit wohl auch verständlich, dass die Japaner in dieser Vorlesung immer schliefen (ist wirklich faszinierend, wie die immer schlafen: die sitzen meist noch aufrecht, aber der Kopf klappt nach vorne, die Hände hängen seitlich runter und die Füße sind ausgestreckt :-) )




Für die nächsten zwei Wochen steht nun noch ein anderer Intensiv-Japanischkkurs an - mal schauen, ob ich das durchhalte.

Was das Ende des Semesters leider auch mitbringt: Viele neue Freunde kehren in ihre Heimatländer zurück. Natürlich etwas wehmütig und so sind nun schon fast jeden Abend Farewell-Parties, aber Ende September kommen dann auch wieder Neue.

Sonntag, Juli 16, 2006

富士山, 3776m

Ja, wieder mal ein paar neue Kanji: die ersten beiden werden zusammen "Fuji" gelesen, das letzte "san" (Bedeutung Berg - Ihr seht drei Bergspitzen :-) ), also "Fuji-san".

Letzten Freitag wars dann endlich soweit: Um halbacht abends starteten wir mit zwei Autos in Richtung Fujisan. Kurz vor Mitternacht sind wir dann auch an der "Subashiri New Fifth Station" auf 2000m angekommen. Von hier aus gings dann zu Fuß in einer fast sternklaren Nacht weiter. Bei dieser Gelegenheit lernte ich dann auch ein paar neue japanische Wörter, wie Sternschnuppe kennen - sahen drei davon!



Um ca. vier Uhr erreichten wir dann die siebte Station und genossen hier erst mal den Sonnenaufgang um halbfünf:











Den Gipfel (= zehnte Station) erreichten wir gegen 8 Uhr morgens. Hier wurde dann erst mal eine Kleinigkeit gekocht. Zum Schlafen waren die meisten dann aber doch nicht fähig - die Aussicht war einfach zu beeindruckend!




... der Krater:



Um zehn Uhr machen wir uns dann auch wieder auf den Rückweg, der jede Mange Spass gemacht hat: Der Weg nach unten war mehr ein "Geröllfeld" und so sind wir mehr gelaufen als gegangen. Waren dann auch nach nicht mal drei Stunden wieder am Auto



Natürlich gings danach wieder zu einer Onsen ...

Sonntag, Juli 09, 2006

Nord-Koreas Feuerwerk zum "Independence Day"

Fußball, Deutschland - Italien, Dienstag, 4. Juli 2006, 28 Uhr Ortszeit Japan (also Mittwoch Morgen um 4 Uhr): Wir haben gedacht, wieder mal ein schönes Fußballspiel mitzuerleben. Ok, Deutschland hat verloren, aber es gab da auch noch ein anderes Ereignis: Um 3:32 Uhr hat Nord-Korea die erste Rakete in Richtung Japan/USA abgeschossen. Es folgten dann noch einige mehr und alle stürzten ein paar hundert Kilometer vor Japan ab. Die Fußballübertragung wurde zwar nicht gestoppt, allerdings wurden diese Schlagzeilen am Rand eingeblendet. Komisches Gefühl. An den folgenden Tagen war dann auch einiges an Militär hier in Nagoya (vor allem Flugzeuge) in Bewegung - bin mal gespannt, wie das weitergeht. Gerade die Medien berichten hier nicht nur Fakten. Ein Professor hat mir auch erzählt, dass in seinem Wohnort Nord-Koranische Kinder (erkennbar an der Schuluniform), die sich auf dem Weg zu einer Nord-Koreanischen Schule befanden, von Japanern beschimpft und teilweise bespuckt wurden! Hallo! Das sind Kinder, die für diese Situation nun mal gar nichts können! Hoffe nur, dass hier bald alle wieder zur Vernunft kommen - die meisten sinds ja bereits!

Mt. Nagiso



Meine erste Tour mit dem "Hiking-Club" der Universität (die nennen sich auch ワンダーフォーゲル = wandaafoogel = Wandervogel :-) Warum die dieses deutsche Wort verwenden, konnte mir bisher aber leider niemand sagen): Letztes Wochenende (1. Juli - 2. Juli) gings dann per Zug in die japanische Südalpen, wo wir dann den Nagiso-san bestiegen haben. Typisch zur Jahreszeit (Regenzeit) war es unerträglich heiß und schwül. Erinnert mich immer wieder an ein riesiges Treibhaus! Auf dem Rückweg zum Tal hats dann auch noch in strömen geregnet - brachte dann wenigstens etwas Abkühlung.



Zur Belohnung wurden wir nach diesen Strapazen zu einer Onsen (heiße Quelle) gefahren. Viele Onsen hier in Japan sind künstlich und das Wasser wird elektrisch erhitzt, wir besuchten aber eine natürliche. Des weiteren gibt es auch immer wieder Probleme mit Nicht-Japanern und einige Onsen erlauben nur den "日本人" (Japanern) den Besuch, was dann auch wieder Probleme rechtlicher Natur mit sich bringt (... Diskriminierung ...). Wo liegen denn die Probleme: Die Onsen selbst dient nur zur Entspannung, sauber machen muss man sich schon davor - dauert nur deutlich länger und ist deutlich gründlicher als das Duschen vor dem Besuch eines Schwimmbades. So gab es einige Fälle, in denen z. B. russische Geschäftsleute mit Anlauf in die Becken gesprungen sind, ohne sich vorher sauber zu machen. Die Japaner haben dann versucht, mit Schildern (auch in Englisch, ...) auf die "Regeln" in einer Onsen hinzuweisen. Hat aber nicht immer geklappt, und so wurden Ausländer einfach verboten (v. a. auf Hokkaido).

Wir hatten auf jeden Fall jede Menge Spass und falls Ihr mal die Möglichkeit habt, probiert es aus! Anfangs ist das Wasser wirklich heiß, aber später will man nicht mehr raus :-)



Übernachtet haben wir auf einer Art Hütte in einem kleinen Tal (von da aus auch die Bilder). Das Gelände gehört wohl diesem Club, der schon einige Jahrzehnte existiert. Verantwortlich hier ist ein Medizinprofessor, der früher auch Mitglied in diesem Club war. Typisch japanisch gilt eine solche Zugehörigkeit ein Leben lang. Er und noch drei andere Herren haben uns auch vom Bahnhof abgeholt, zur Onsen gefahren, .... haben sich ums Essen und den Alkohol :-) gekümmert - natürlich haben wir für die Onsen und für das Essen nichts bezahlt!





Samstag, Juli 08, 2006

Nachtrag 5: Ninja Haus, Aga Shrine, Gakasho (24. Juni 2006)

Wieder einmal eine Tour mit einer "Freiwilligenorganisation": Als erstes zu einem Ninja Haus. Von diesen Ninjahäusern gibts noch jede Menge in Japan, wir besuchten aber wohl das "wahrste" Ninja-Haus. Es war ja auch schon Harrison Ford zu besuch. Dieses Haus unterscheidet sich in erster Linie überhaupt nicht von anderen Häusern jener Zeit - Ninjas lebten normalerweise als ganz normale Leute und sollten nur Informationen beschaffen. Diese Haus hatte aber auch alle möglichen Fallen: geheime Türen, Tunnel, versteckte Waffen, ... mit denen sich der Ninja dann im Notfall verteidigen konnte.




Nach dem Mittagessen gings dann zum Aga-Shrine, der schon ganze 1400 Jahre alt ist. Das blöde an diesem Shirne sind nur die 740 Stufen, bis man dann endlich am Ziel ist - kein Spass bei dieser Schwüle! Aber doch auch sehr eindrucksvoll :-)







Zum Schluss gabs dann noch eine kurzen Stop in der "Street of Kondo" in Gakasho. Dort wurde wohl der Grundstein der modernen japanischen Wirtschaft gelegt. Heute findet man dort noch einen Shinto shrine, jede Menge Souvenirshops, alte Häuser und doch auch etwas Ruhe.


Nachtrag 4: Nagoya Castle (17. Juni 2006)

An diesem regnerischen Samstag hab ichs dann doch endlich mal geschafft, das Wahrzeichen Nagoyas, das Schloss von Nagoya, anzuschauen. Wie ich ja vielleicht schon mal erwähnt habe, gibt es hier alle möglichen Freiwilligenorganisationen, die z. B. für die internationalen Studenten Fahrten organisieren, sich für kulturellen Austausch engagieren, .... oder, wie hier am Nagoya castle, kostenlose Englische Führungen anbieten (meist Rentner, teils auch Leute, die ihr Englisch trainieren wollen).

Das Schloss selbst wurde im zweiten Weltkrieg komplett zerstört, aber später wieder aufgebaut. Auf dem Dach sitzen zwei ca. zwei Meter hohe "Fische" (die englische Übersetzung nennt sie Delphine, stimmt aber wohl nicht) die je mit 44 Kilo Gold bedeckt sind. Diese Fische gelten als Glücksbringer und sind hier überall zu finden (auf U-Bahn-Karten, Postkarten, Stadthomepage, ...)


Aussicht von Oben in Richtung Bahnhof (die zwei hohen Türme in der Mitte):

Hab dann doch noch versuch, etwas von dem Gold abzukratzen ....

.... riesige Gräben ... das Schloss wurde übrigens nie angegriffen ...

Nachtrag 3: Meidai-Festival (1. - 4. Juni 2006)

Ja, das Meidaisai = Universitätsfestival: Donnerstag bis Sonntag, vorlesungsfrei, jede Menge Stände mit Essen (so verdienen die verschiedenen Clubs wohl ihr Geld), eine große Bühne und mehrere kleinere Bühnen. Was mich etwas geschockt hat: Bingo ist hier unter den Jugendlichen sehr beliebt. Zuhause spielen das glaub ich nur Rentner!?

Hab Euch hier mal einen kleinen Film von der Hauptbühne angehängt. Achtet vor allem auf die Beine der "Fan's" :-)



(falls der Film nicht startet, hier der link)

Nachtrag 2: Okehazama-Festival (4. Juni 2006)

Bei diesem Okehazama-Festival wird eine alte, sehr berühmte Schlacht "nachgestellt". Hier eine offizielle Beschreibung:
The first major strategic victory in the career of Nobunaga Oda, was fought against Yoshimoto Imagawa in 1560, during the Warring State Period. In those days many feudal lords had been filled with ambition to expand their own territory and to come into power. Yoshimoto Imagawa, who held very strong power over Mikawa (now a part of Aichi Pref.), Suruga and Totomi (now Shizuoka Pref.), was one such lord. He tried to go to Kyoto and meet the Emperor who would proclaim him the top lord. On the way to Kyoto, Yoshimoto had to break through the Nobunaga's territory. Yoshimoto had 25,000 soldiers. Nobunaga had only 2000-3000.
Luckily for Nobunaga, under the cover of a violent rainstorm, his troops succeeded in surrrounding and surprising Yoshimoto's troops encamped at the place called Dengaku-hazama, 2 kilometers north of Okehazama. (as now we know it as the battle in Okehazama) In the ensuing rout Yoshimoto was killed by Hattori Koheita, a petty soldier.

Die (Haupt-) Samurai-Rollen (~10) werden verlost, wobei auch immer ein paar an Austauschstudenten vergeben werden. Bartu (Polen) und Lucy (Australien) hatten das Glück einer dieser Hauptrollen zu bekommen, wurden somit mit sehr teuren Samurairüstungen ausgestattet und mussten dann etwas "Theater" spielen. Ich selbst war leider nicht so prächtig gekleidet, durfte aber auch bei diesem "Umzug" mitlaufen und auch bei dieser Schlacht mitkämpfen. Das Festival selbst ist wohl sehr bekannt und wurde auch live im nationalen Fernsehen übertragen - bin jetzt also noch wichtiger :-)










Freitag, Juli 07, 2006

Nachtrag 1: Meiji-mura (2. Juni 2006)

Im Rahmen einer Vorlesung (Contemporary Japanese Society) gings am Freitag, 2. Juni, nach Meiji-mura, einem größerem Outdoorpark, in dem alles mögliche aus der Meiji-Epoche steht. In dieser Epoche (von 1868 bis 1912) "erneuerte" sich Japan grundlegend: Davor was das ganze Land "verschlossen" und Kontakt zum Rest der Welt bestand nur über ein paar wenige holländische und chinesische Händler auf einer kleinen Insel. Die Meiji-Epoche stand dann im Zeichen der Erneuerung (z. B. Schaffung einer modernen Armee, ....) und es wurde vieles aus anderen (westlichen) Ländern übernommen.

In diesem Meiji-mura-Park stehen jede Menge Wohnhäuser, Hotels (z. B. Imperial Hotel Tokyo (Architekt: Frank Lloyd Wright)), Bahnhöfe, ein Kabuki-Theater, ... aus dieser Epoche. Zum einen im traditionell japanischen Stil, aber auch sehr viele Gebäude, die zwar zu dieser Zeit in Japan gebaut wurden, aber architektonisch an Europa, v. a. Frankreich erinnern.